Quartierverein St.Fiden-Neudorf Stadt St.Gallen  
Wirtschaft und Bevölkerung
Im frühen Mittelalter führte das Kloster St.Gallen im Gebiet der nachmaligen Gemeinde Tablat Rodungen durch und gelangte so zu seinen Besitzungen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt. Die hier entstandenen Höfe gab es später als Lehen weiter. Diese bäuerlichen Verhältnisse dominierten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein das Landschaftsbild. Doch schon 1811 begann mit der Errichtung der ersten Spinnerei in St.Georgen Tablats Eintritt in das Maschinenzeitalter. 1910 gab es im Osten der Stadt rund ein Dutzend Betriebe für Fabrikation und Export von Stickereien.

Entscheidend für diese Entwicklung war die verhältnismässig frühe Verkehrserschliessung des Raumes St.Gallen mit der Bahn. 1856 wurde die Strecke Zürich- St.Gallen-Rorschach eingeweiht, 1910 die Bodensee-Toggenburg-Bahn. Für die Gemeinde Tablat, durch die beide Linien führten, brachte der um 1910 erbaute Bahnhof St.Fiden einen enormen Innovationsschub. Seit dem Jahre 1897 verband zuerst das Tram, dann ab 1957 eine gut ausgebaute Bus- linie das Einzugsgebiet des Quartiervereins mit dem Stadtzentrum.

Die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung sind beeindruckend. Um 1800 lebten rund 2700 Einwohner in der Gemeinde Tablat, 1850 schon 4424, und im Jahre 1910 zählte man 22306 Einwohner. Der Ausländeranteil betrug zu dieser Zeit 40,5%, davon waren die Hälfte Italiener.

Die Schattenseite dieser Entwicklung war die akute Wohnungsnot. Um den Bahnhof St.Fiden und anderswo erstellten Bauspekulanten ghettoähnliche Wohnsilos. Quartiere wie Buchwald und Buchental erhielten wegen der vielen dort lebenden Italiener den Übernamen Klein-Venedig. Erste konkrete Erfolge im Kampf gegen die Woh- nungsnot gelangen der Genossenschaft für Wohnungsfürsorge St.Gallen 1904 mit der Gründung der ältesten Wohnbaugenossen- schaft in der heutigen Stadt St.Gallen an der Flurhofstrasse.
Blick Richtung St.Fiden